Skisprung-Reform: Ab 2018 endlich auch Technik-Wettkämpfe

Bild-Quelle: TkarcherEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link; Bildbearbeitung mit GIMP

Jahrzentelang galt der Skisprung als reine Speed-Disziplin: Vom Balken ging es für den Athleten pfeilgerade in der Abfahrtshocke Richtung Schanzentisch. Doch sinkende Zuschauer-Zahlen im Fernsehen und halbleere Ränge bei der vergangenen Ski-WM in Lahti haben die FIS dazu bewogen, diesen leicht monotonen Skisprung zum ersten Mal seit Zulassung des V-Stils zu reformieren. Und offenbar orientiert man sich am Erfolgsmodell der Kollegen vom Alpin-Ski: Zusätzlich zu den Speed-Bewerben soll es beim Skispringen in Zukunft auch technische Wettkämpfe geben.


ZDF-Skisprung-Experte Toni Innauer findet die Neuerungen der FIS eine gute Idee: „Derzeit gibt es die Normalschanze, die Großschanze und das Skifliegen. Aber im Wesentlichen ist es immer das gleiche: Du haust dich vom Balken den Anlauf mit Vollkaracho runter, und je nach Schanzentyp geht es halt mal kürzer, mal weiter. Die Abwechslung, die man bei den alpinen Bewerben gewohnt ist, die hat uns Nordischen eigentlich immer schon gefehlt. Ich finde daher, dass die Überlegungen der FIS in die absolut richtige Richtung gehen.“

Bereits bei der Vierschanzentournee 2017/18 soll es soweit sein. In Bischofshofen soll erstmals auf dem Anlauf ein Slalom gesteckt sein, den die Skispringer vor dem Absprung zu bewältigen haben. Die Anlaufspur, die die Athleten bisher bei ihrer Anfahrt zum Schanzentisch praktisch jeglicher Kreativität beraubt hat, wird es nicht mehr geben: Auf der Paul-Außerleitner Schanze muss jeder Springer künftig die Ideallinie zwischen den Toren selbst finden.

Beim ÖSV und im österreichischen Springerteam hat man die Zeichen der Zeit glücklicherweise früh erkannt, so dass im nordischen Ausbildungszentrum in Stams bereits die neue Technik trainiert werden kann. Weltcupsieger und Doppel-Weltmeister Stefan Kraft über den künftigen Slalom-Sprungbewerb: „Also mir taugt’s. Man muss zwar brutal aufpassen, dass man nicht einfädelt oder gar ausrutscht und vom Schanzentisch runterfällt, aber das macht die Herausforderung umso größer. Das ist noch einmal geiler als Skifliegen! An das neue Material, also diese kürzeren Sprung-Carver, muss ich mich zwar noch gewöhnen, aber die brauchst, denn im eisigen Steilhang bist mit den langen Latten voll aufgschmissen!“

Die FIS feilt angeblich noch an den Details und den genauen Regeln, nach denen die Technik-Berwerbe ausgetragen werden sollen. Wo postiert man die Torrichter? Zurücksteigen erlaubt: Ja/Nein? Ab wann olympisch? Und vor allem: Wie stark wirkt sich die Fahrzeit auf die Punkteanzahl aus? Das sind einige der Fragen, die gerade intensivst diskutiert werden. Geprüft wird außerdem, ob der durch den Sprung unterbrochene Slalom in Auslauf nochmals fortgesetzt werden soll.

Neben dem Slalom-Bewerb sind auf den Flugschanzen Riesentorlauf-Wettkämpfe geplant sowie eine nicht uninteressante Form der Kombination: Abfahrt bis zur Mitte des Anlaufs und dann Übergang in einen Slalom bis zum Schanzentisch. Und für die Zuschauer besonders spannend dürfte der Parallel-Bewerb werden, bei dem zwei Athleten zeitgleich den Anlauf runterwedeln.

Die FIS springt mit diesen Neuerungen ausnahmsweise über ihren eigenen Schatten und erfindet den Skisprung quasi komplett neu. Und wer weiß, vielleicht werden wir in Zukunft ja des öfteren einen Wechsel eines Athleten vom Alpin-Ski zu den Nordischen oder umgekehrt sehen. So mancher Abfahrer ist ja jetzt schon ein halber Skiflieger. Wie auch immer, für eine Skination wie Österreich klingen die neuen Sprung-Bewerbe jedenfalls richtig vielversprechend!

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