Österreichische Solarenergie-Industrie: Klimawandel sichert Strom­versorgung

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Paukenschlag bei der diesjährigen Tagung des Verbandes österreichischer Solarstrom-Erzeuger (VÖSE) in Linz: Um das Überleben der eigenen Branche zu sichern, beschloss das Gremium einstimmig, künftig für den Ausbau von Kohlekraftwerken in Österreich einzutreten und diesen Ausbau gegebenenfalls auch mit finanziellen Mitteln aus der Ökostrom-Abgabe zu unterstützen.


Was auf den ersten Blick paradox klingen mag, macht in der Praxis durchaus Sinn. Gregor Hirzenberger, amtierender VÖSE-Präsident: „Ohne den Klimawandel macht die Stromgewinnung mittels Photovoltaik in einem Land wie Österreich eigentlich nur mäßig Sinn. Um in unseren Breitengraden tatsächlich rentable Solaranlagen betreiben zu können und nicht ständig auf Ökostrom-Förderungen angewiesen zu sein, bräuchten wir ein Klima wie beispielsweise in Griechenland.“

Der Verband stützt seinen Entschluss für den Ausbau kalorischer Kraftwerke auf Erkenntnisse aus dem österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In diesem prophezeien Experten für den Fall, dass die Temperaturen hierzulande weiter ungebremst steigen, extreme und langandauernde Hitzeperioden. Hirzenberger: „Österreich liegt bei den Treibhausgas-Emissionen zwar bereits über dem EU-Schnitt, aber wir müssen noch mehr Anstrengungen unternehmen, um ganz an die Spitze zu gelangen. Unser Ziel muss sein, CO2-Ausstoß-Europameister zu werden! Österreich ist glücklicherweise ein Binnenland. Bei uns lässt sich der erhoffte Temperaturanstieg leichter und schneller erreichen, da die Temperaturzunahme hierzulande nicht von den Weltmeeren gedämpft wird.“

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Anfang des Jahres die Stromversorgung in Österreich an ihre Grenzen gestoßen sei und nur durch Stromimporte aus dem Ausland ein Versorgungsnotstand verhindert werden konnte. Hirzenberger: „Wir wollen hier zwei Fliegen auf einen Streich schlagen: Mit dem Ausbau von Kohlekraftwerken machen wir uns einerseits unabhängig von ausländischen Stromimporten. Und andererseits leisten wir damit unseren Beitrag zum Klimawandel, in der Hoffnung, dass schon bald die Sonne dauerhaft auf Österreich runterbrennt wie beispielsweise auf Kreta. Nur so können wir in Hinkunft mit unserem Solarstrom den steigenden Energiebedarf decken, der insbesondere durch die nicht mehr aufzuhaltende E-Mobilität auf uns zukommen wird.“

Nicht nur die Solarenergie-Branche dürfte von diesem Szenario profitieren. Auch in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich zeigt man sich über die Ankündigung des VÖSE hocherfreut: Dort rechnet man für den Sommertourismus in Österreich mit zweistelligen Zuwachsraten.

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