Die sind doch komplett weltfremd

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Nach der ungewohnt scharfen Replik auf die von Grünen-Urgestein Peter Pilz geäußerte Stammtisch- und Populismusforderung haben wir von der Entenpost-Redaktion zwei Monatsgehälter zusammengelegt und uns mit Grünen-Parteichefin Eva Glawischnig im Gourmet & Design Restaurant im Hotel Sans Souci in Wien Neubau zum Interview getroffen.


 

Glawischnig, die 15 Minuten zu spät kommt, eröffnet das Gespräch leicht echauffiert: „Taxifahren wird immer mehr zur Zumutung. Bis der Taxler verstanden hat, wo ich hin will, Katastrophe! Und dann steckst im Stau mit lauter wahnsinnigen Autofahrern – können die nicht bitte alle Öffis fahren! Ich muss unbedingt der Vassilakou auftragen, mehr Taxispuren zu verordnen.“

Wir wagen den zarten Hinweis, dass wir mit der U3 gekommen und problemlos pünktlich zum Termin erschienen sind. Glawischnig, die sich in der Zwischenzeit aus dem Degustationsmenü die Ziegenfrischkäse-Pralinen bestellt hat: „Geh bitte, zuerst wartest dir einen Haxen aus, und dann sind die Öffis natürlich ständig überfüllt, das tu ich mir schon lange nicht mehr an.“

Wir wollen von der Parteichefin wissen, was dagegen sprechen würde, auf Wähler im Beisl beim Stammtisch zuzugehen. „Erstens“, Glawischnig zückt ihr funkelnagelneues iPhone 7 und zeigt uns ihren Kalender, „wer bitte hat Zeit, ins Beisl zu gehen? Schauen’S her, morgen hab‘ ich mit meinen Buben Balettstunde, übermorgen Premiere von diesem Jelinek-Stück an der Burg, am Samstag Soiree beim Haselsteiner, und so weiter, alle Slots bummfest belegt. Und zweitens – worüber soll ich mit diesen Leuten bitte reden? Die sind doch komplett weltfremd! Die leben in einer unglaublichen Blase!“

Wir schlagen vor, dass man mit den Leuten im Beisl über ihre Sorgen reden könnte. Glawischnig reagiert heftig: „Das ist doch ein übelstes Klischee! Die glauben allen Ernstes, wir da Oben hätten keine Sorgen! Haben’S schon einmal probiert, für die Kinder einen gescheiten Privatkindergartenplatz zu bekommen. Ganz zu schweigen davon, die Kinder an einer vernünftigen Privatschule unterzubringen. Wenn’S da den Direx nicht höchstpersönlich oder jemand im Stadtschulrat kennen, nix da! Und die da Unten tun immer so, als hätten nur sie Geldsorgen. Kaufen’S einmal die ganze Zeit nur Bio-Produkte und Zeugs mit kleinem ökologischen Fußabdruck, ha! Und dann diese endlose Spenderei, Greenpeace, WWF und wie sie alle heißen. Bei Global 2000 habe ich mir mal so einen Monatsabbucher eingetreten, den werden’S nimmer so schnell los!“

Glawischnig holt tief Luft, stochert energisch in ihren Kräutersaitlingravioli herum, nippt an ihrem südafrikanischem Sauvignon Blanc, und ergänzt nach kurzer Pause: „Ich kann nur sagen, die da Unten jammern auf ganz schön hohem Niveau, deren Sorgen möchte ich mal haben!“

Wir würden das Gespräch noch gerne fortsetzen, doch ein Blick auf die Karte und in unser Geldbörsel lässt leider kein weiteres Getränk mehr zu, wir bedanken uns also bei der Obfrau der Grünen und wünschen ihr und ihrer Partei viel Glück für die kommende Nationalratswahl im März 2017. Im Hinausgehen ruft uns Eva Glawischnig noch nach: „Mehr als 53% für Van der Bellen, was soll da für die Grünen schief gehen, da mache ich mir ausnahmsweise mal keine Sorgen!“

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