Österreich führt Wilderei als reglementiertes Gewerbe ein

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Immer weniger Menschen, insbesondere am Land, gehen laut Angaben der Wirtschaftskammer Österreich dem Jagdberuf nach. Die Ursache dafür ortet WK-Präsident Christoph Leitl darin, dass viele in den einfacheren und bequemeren Weg des freien Berufes Wilderer ausweichen. Die Wirtschaftskammer drängt daher darauf, endlich die Wilderei in ein reglementiertes Gewerbe umzuwandeln und zusätzlich einen Gebietsschutz einzuführen.


Präsident Leitl: „Es kann nicht sein, dass Jäger einen Befähigungsnachweis erbringen müssen und für diese Berufsgruppe jeder Handgriff vom Abschuss übers Ausbluten bis hin zum Entsorgen der Gedärme genauestens geregelt ist und sogar Sehtests vorgeschrieben sind, während die Wilderer im Wald völlig ungeniert und frei von Vorschriften herumballern und abschießen können, was ihnen vor die Flinte kommt!“

Obmann der Jägerei-Innung, Walter Nasenbichler, ergänzt: „Durch die Dienstleistungsrichtlinie der EU kommen immer mehr Wilderer aus dem EU-Ausland zu uns nach Österreich, um hier ihre Dienste auszuüben. Bei den Dumpingpreisen – vor allem aus dem östlichen EU-Raum – können unsere Wilderer natürlich nicht mithalten, wir brauchen einen Gebietsschutz ähnlich wie bei den Apothekern und ganz klare Vorschriften, die ein geordnetes, faires Miteinander österreichischer Jäger und heimischer Wilderer ermöglichen.“

Auch Finanzminister Hans-Jörg Schelling scheint dem Drängen der Wirtschaftskammer einiges abgewinnen zu können: „Dem Fiskus entgehen durch die Wilderei jedes Jahr geschätzte vier- bis füntausend Euro. Wenn wir uns 2018 den Pensionistenfünfer leisten wollen, müssen wir danach trachten, dieses Steuerschlupfloch zu schließen und die Abgaben und Steuern auf Wildereifleisch gerecht und transparent zu regeln.“

Christoph Leitl konkretisiert die nächsten Schritte: „Wir werden die Wilderei von der Lehre bis zur Meisterprüfung samt Gewerbeschein klar regeln. Damit auch die Bundesländer an Bord sind, werden wir dies voraussichtlich in 9 verschiedenen Landesgesetzen festschreiben lassen. Um den Wechsel in die Gewerbswilderei attraktiver zu gestalten, werden wir diesen Umstieg außerdem in das Gründerprogramm der WKO aufnehmen und entsprechend üppig fördern.“

Österreich ist mit dieser Initiative übrigens weltweiter Vorreiter und kommt hier offenbar erstmals seit Langem sogar seinem großen Bruder und Trendsetter Deutschland zuvor. In diesem Sinne – Wildmannsheil!

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