Göttlicher Richtungsstreit bei Neujahrsklausur

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Bei der alljährlichen Gottesklausur der Christlichen Glaubensgemeinschaft, die heuer erstmals in Heiligenblut am Großglockner in Kärnten stattfand, war es mit dem Weihnachtsfrieden bzw. mit der göttlichen Dreieinigkeit rasch vorbei: Wie schon einmal vor 2000 Jahren brachen Flügelkämpfe aus, der alttestamentliche Führungsstil wurde neuerlich in Frage gestellt – und sogar vom Ausstieg des Heiligen Geistes war die Rede.


Der Obmann und seine beiden Stellvertreter hatten sich wie üblich zu Neujahr zur göttlichen Klubklausur der Christlichen Glaubensgemeinschaft versammelt, um nach altem Brauch eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und die Ausrichtung für das kommende Jahr zu besprechen. Eigentlich hätte alles seinen gewohnten Lauf gehen sollen. Wie man es eben seit ewigen Zeiten gewohnt war: Die Ernennung und Abberufung einiger irdischer Stellvertreter, hier und da eine kleine Krise oder ein Aufschwung – und natürlich der routinemäßige Finanzcheck. Doch die zunehmende Glaubensverdrossenheit der Menschheit, damit einhergehende Kirchenaustritte und Wechsel zu alternativen Glaubensrichtungen ließen erstmals seit gut 2000 Jahren wieder Gräben auftreten, die mit der Einführung des Neuen Testaments eigentlich für überwunden geglaubt schienen.

Gott Vater, bekannt für seinen konservativen und strengen Kurs, der für die Menschheit in erster Linie Plagen aller Art vorsieht, vertrat die Meinung, dass die globale Wirtschaftskrise zu harmlos ausgefallen wäre und man hier nochmals eins drauflegen müsse. „Nur in Not und Elend sind die Menschen offenbar bereit, sich des göttlichen Ursprungs zu besinnen und wieder unseren Beistand zu erflehen!“

Jesus, Sohn Gottes, Vertreter eines gemäßigten Kurses und eher Fan von heilsamen Wundern, wollte von diesen ‚alttestamentlichen Steinzeit-Maßnahmen‘ nichts wissen und forderte stattdessen als ‚Wunderwaffe‘ den göttlichen Einstieg in die Sozialen Netzwerke. Dort solle man mit einfachen Botschaften und Liebes-Appellen versuchen, wieder näher an die Menschen heranzukommen und für die eigenen Zwecke zu gewinnen. „Ich bin voll der Hoffnung, dass sie uns millionenfach liken und uns wieder in Scharen followen werden!“

Weiters vertrat Jesus Christus die Meinung, dass man auf die anderen Religionen zugehen solle und den Dialog mit diesen suchen müsse: „Vielleicht können wir uns dort sogar etwas abschauen. Wenn ich zum Beispiel an die im Islam für das Paradies in Aussicht gestellten Jungfrauen denke, muss ich gestehen, dass wir mit dem simplen Versprechen eines ewigen Lebens und der damit verbundenen ewigen Anbetung nicht gerade den großen Renner im Angebot haben!“

Der Heilige Geist hingegen, Ewiger Dritter und Vertreter des liberalen Flügels, sah das Problem in erster Linie darin, dass der Obmann bisher nicht dazu bereit gewesen sei, im Führungstrio die Frauenquote einzuführen. „Die Frauen machen mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung aus und sind in unserem patriarchalen System seit Ewigkeiten nicht vertreten! Das kann auf Dauer nicht gutgehen!“, meinte ein sichtlich frustrierter Heiliger Geist. Und er ergänzte mit flammenden Worten: „Ich bin sofort dazu bereit, mich geschlechtsumwandeln zu lassen. Andernfalls könnts ihr mich beide gern haben, dann schmeiß‘ ich den Krempel hin!“ Was dem Vernehmen nach Gott Vater ein „Der geht mir vielleicht auf den heiligen Geist!“ in seinen Bart murmeln habe lassen.

Es stellt sich die Frage, wie Gott Vater diesmal auf die Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des göttlichen Kurses reagieren wird. Vor rund 2000 Jahren konnten in einer ähnlichen Situation die Wogen mit der Einführung des Neuen Testaments geglättet werden. Dieses mutet im Zeitalter von iPhone und Co. allerdings auch schon etwas altbacken an, angeblich gibt es daher bereits Überlegungen für eine neue Heilige Schrift namens ‚Plan α‘.

Doch wenn Gott eines hat, dann ist es Zeit! Und aus diesem Grund wurde fürs erste einmal eine himmlische Expertenkommission eingesetzt, die die Neuausrichtung klären soll. Da diese Kommission Vertreter aller dreier Flügel enthalten wird, waren die erhitzten Gemüter voerst wieder beruhigt. Und so konnten letztlich auch bei dieser Klausur die Sitzungsteilnehmer mit den gewohnten Abschiedsworten „Gehet hin in Frieden!“ auseinander gehen.

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