Rock in Vienna: Ausbleiben harter Acts geklärt

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Groß war die Aufregung unter RIV-Fans nach Bekanntwerden der diesjährigen Headlines. In den Sozialen Netzwerken entbrannte ein regelrechter Shitstorm, mit einem Schuss Sarkasmus wurde die Umbenennung des Festivals in ‚Pop in Vienna‘ gefordert bzw. dasselbe als ‚Flop in Vienna‘ bezeichnet. Und die User-Kommentare gipfelten in dem Beitrag „Kann man das Ticket zurückgeben? – weil das is wie wenn du Metallica Karten kaufst und Helene Fischer tritt auf“. Kein Wunder, waren in den Vorjahren doch Bands wie Slayer, Iron Maiden oder Deichkind aufgetreten, während die Fans heuer im Vergleich dazu mit Aluminium – sprich Leichtmetall-Musik – von Silbermond oder den Toten Hosen abgespeist werden.


Der Veranstalter begründete auf Facebook das diesjährige Programm einerseits damit, dass man sich breiter aufstellen wolle, und andererseits seien ‚2017 einfach ganz andere Künstler im Sommer unterwegs als in den Vorjahren‘. Letzterem ist die Entenpost nachgegangen. Wir wollten wissen, wohin es die harten Acts tatsächlich verschlagen hat – und mussten dafür nicht all zu weit über die Grenze schauen. Und stießen dabei auf Verblüffendes!

‚Rock und Lederhosen‘ heißt ein zeitgleich zum Rock in Vienna in München auf der Wiesn stattfindendes Volksmusikfestival, bei dem neben den üblichen Verdächtigen wie Stoakogla, Schürzenjäger oder den Toten Lederhosen – man höre und staune – auch einige der beim RIV so sehnlichst vermissten Bands auftreten werden. So finden sich im Line Up des RUL gleich drei der ‚Big Four‘ des Thrash Metal, nämlich Slayer, Megadeath und Anthrax!

Wer vermutet hätte, dass eingefleischte Volksmusik-Fans mit diesen Gruppen eher wenig anfangen können und ein ähnlicher Shitstorm in den Sozialen Medien losbrechen würde, sah sich getäuscht: Die RUL-Veranstalter erhielten durch die Bank positives Feedback! Josef Obenbiegler aus Bad Reichenhall, seit Kindesbeinen an ein glühender Anhänger der Schürzenjäger: „Ich habe mir Anthrax auf YouTube angehört, die singen zwar auf Englisch, aber diese einfachen, ewig gleichen Rhythmen gehen ganz gschmeidig ins Ohr. Also ich bin da ganz offen für Neues. Und schon recht gespannt.“ Auch Hermine Weissenberger aus Imst findet die heurige Auswahl beim RUL in Ordnung: „Ich habe keine hohen Ansprüche, mir ist es egal, dass praktische alle Lieder fast gleich klingen. Das ist bei den Stoakoglan so – und was ich gehört habe, bei Megadeath auch. Also ich find‘ das bärig, i gfrei mi scho!“

Wir haben mit Sepp Forcher gesprochen, einem der Mit-Initiatoren des Münchner Festivals: „Ich muss gestehen, in meinen Studientagen war ich ein bisserl ein Rebell, damals hab‘ ich mir gern hie und da AC/DC oder Slayer reingezogen. Irgendwann bin ich dann aber doch zu etwas anspruchsvollerer Musik übergegangen und bin halt bei der Volksmusi gelandet. Aber dem RUL tut’s gut, wenn zur Abwechslung auch mal ein paar deftigere Klänge angestimmt werden. Und soviel ich bis jetzt gehört habe, kommt die Ausrichtung in eine breitere und neue Richtung bei den Leuten ganz gut an. Wenn’s passt, bringen wir eine von diesen Bands eventuell auch mal bei Klingendes Österreich.“

Stellt sich die Frage, was die völlig unterschiedlichen Reaktionen bei den beiden Festivals ausmacht? Ist der typische Volksmusik-Fan einfach weltoffener und aufgeschlossener für Neues? Oder ist es einfach nur der Wiener, dem man es nie recht machen kann und der gern und schnell einmal raunzt? Nach dem 5. Juni wird sich zeigen, ob tatsächlich weniger Leute zum RIV gekommen sein werden oder ob die Fans einfach nur im Vorfeld mal ordentlich Dampf ablassen wollten und beim Festival dann trotz aller Kritik im Vorfeld wieder in gewohnt großer Anzahl ihre Heads bangen lassen werden. Wie heißt es so schön bei AC/DC: Rock or Bust!

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