Sobotkas Charterflug nach Budapest: ‚Termin­kollision‘ geklärt

Bild-Quellen: Pixabay und Michael Kranewitter – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, Link

Ursprünglich hatte es geheißen, Innenminister Wolfgang Sobotka sei per Privatjet nach Budapest geflogen, weil eine Fahrt per Dienstauto auf Grund der Grenzkontrollen zu lange gedauert hätte. Das war natürlich eine klassische Ente und wurde auch umgehend richtig gestellt. Der wahre Grund – wie das Ministerium versicherte – sei eine ‚Terminkollision‚ gewesen. Als das Medium für investigativen Journalismus im deutschsprachigen Raum wollten wir von der Entenpost genauer wissen, um welchen Termin es sich dabei handelte – und sind rasch fündig geworden!


Wie Telefon-Recherchen unseres Magazins ergaben, musste der Innenminister vor seinem Flug nach Budapest noch zu einem Verhandlungstermin beim Unternehmen Golden Wing. Die Österreich-Niederlassung dieses auf Charterflüge der gehobenen Klasse spezialisierten Unternehmens befindet sich praktischerweise direkt am Flughafen Wien Schwechat, so dass sich der ‚eng koordinierte Termin‘ gerade noch vor dem Flug nach Budapest einschieben hat lassen.

Bei dem Termin ging es um einen Vielflieger-Rabatt für künftige Flüge des Ministers. Dabei hatte der als ausgefuchster Verhandler geltende Wolfgang Sobotka offenbar gleich zwei Asse im Ärmel: Einerseits war die Öffentlichkeit bereits auf die nicht unerheblichen Kosten für bisherige Golden Wing Charterflüge des Ministers aufmerksam geworden, und andererseits sei zusammen mit dem Regierungsprogramm 2.0 ‚Für Österreich‘ vereinbart worden, dass alle Ressorts ihren Sparbeitrag leisten müssten, um den ausverhandelten Arbeitspakt finanzieren zu können.

Wie wir aus Insiderkreisen erfahren konnten, waren diese beiden Druckmittel in der Verhandlung von Erfolg gekrönt: Der Minister und seine Entourage erhielten beim Golden Wing Jumbo-Package, das insgesamt fünfzig Charterflüge umfasst, einen Rabatt von vier Prozent und zusätzlich zum obligaten Welcome-Prosecco einen Flying Hirsch kurz vor der Landung noch obendrauf. Und der Deal konnte zeitgerecht unter Dach und Fach gebracht werden, so dass der anschließende Flug über die österreichisch-ungarische Grenze absolut stressfrei genossen werden konnte.

Die Entenpost war bisher dem Innenminister gegenüber eher kritisch eingestellt. Aber mit diesem beispiellosen Einsatz für Österreich müssen wir unsere Meinung zumindest dieses Mal revidieren und sehen uns sogar zu folgendem Appell veranlasst: Alle Ministerinnen und Minister sollten sich an Wolfgang Sobotka ein Beispiel nehmen und sich ebenfalls die Frage stellen, wie man mit etwas Hirnschmalz und Verhandlungsgeschick im eigenen Ressort jede Menge Euros reinholen könnte. Vielleicht ließe sich bei Golden Wing ja noch etwas rausschlagen, wenn auch andere Ressorts auf Charterflüge umsteigen würden. Das würde außerdem auch gleich noch die Kosten für Benzin und Privatchauffeur des Dienstautos einsparen! Es geht schließlich um unser aller Steuergeld. Und mit dem sollte möglichst sorgsam umgegangen werden!

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