Knalleffekt: SPÖ wirft eigenen Pensionisten­verband aus der Partei

Bild-Quelle: SPÖ Presse und Kommunikation Foto: Thomas Lehmann – Flickr: Bundesparteitag 2012, CC BY-SA 2.0, Link

Charly Blecha hat sich sein Lebtag noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Auch Kritik an der eigenen Partei war dem ehemaligen Innenminister nicht fremd. Doch seine Unterstützung für den Verband der Sozialistischen Senioren-Studenten Österreichs (VSSStÖ) bei der nächsten ÖH-Wahl anstatt der offiziellen SPÖ-Studentenorganisation VSStÖ ging der Parteispitze dann doch zu weit. Ein Gespräch mit Bundeskanzler Kern verlief ergebnislos und nach Ablauf des von der Parteizentrale gestellten Ultimatums blieb der SPÖ-Spitze offenbar keine andere Wahl, als die Senioren-Organisation der SPÖ aus der eigenen Partei auszuschließen.


Stein des Anstoßes war der Bruch des Pensionistenverbandes (PVÖ) mit dem VSStÖ, der offiziellen Studentenorganisation der SPÖ. Charly Blecha begründet diesen Schritt folgendermaßen: „Beim VSStÖ hatte ich manchmal das Gefühl, als wäre die SPÖ eine Oppositionspartei! Die sind praktisch immer nur gegen alles mögliche: Gegen Studiengebühren, gegen Aufnahmetests, gegen die Altersgrenze bei der Familienbeihilfe, und so weiter. Dagegen zu sein ist zu wenig für jemand, der in der Regierung ist. Außerdem sind das Forderungen, die haben sooo einen Bart! Der Pensionistenverband unterstützt daher bei den kommenden ÖH-Wahlen den VSSStÖ – die sind herrlich unverbraucht und haben tatsächlich noch ordentlich Pfeffer im Arsch!“

Christian Kern zeigte sich nach dem gescheiterten Gespräch mit dem PVÖ-Präsidenten enttäuscht: „Einerseits schätze ich natürlich kritische Partei-Senioren. Aber es wird jeder verstehen, dass ein Rauswurf alternativlos war, nachdem der PVÖ sein Vorhaben nicht aufgeben wollte, bei den ÖH-Wahlen mit einer eigenen Liste und somit als Konkurrenz zum VSStÖ anzutreten.“

Während die Spaltung bei den Grünen zwischen Partei und Parteijugend auf Grund der geringen Mitgliedszahlen kaum nennenswerte Auswirkungen haben dürfte und der grüne Rauswurf außerdem an der Öffentlichkeit eher spurlos vorbeigegangen ist – die Tagespresse berichtete – erhitzt der Bruch von PVÖ und SPÖ die Gemüter. Vor allem die SPÖ-Landesorganisationen äußern Kritik an der Vorgehensweise der Parteizentrale. Zwar findet man auch dort, dass der PVÖ mit der Unterstützung des VSSStÖ einen Fehler begangen habe, doch der Bruch mit dem Pensionistenverband – immerhin annähernd 400.000 Mitglieder – wird als überzogen und gleichfalls als Fehler eingestuft.

Vom VSSStÖ kommt unterdessen ein Angebot an Bundeskanzler Kern: Die rebellische Studentenorganisation schlägt vor, sich einmal zusammen zu setzen und miteinander zu reden. Detail am Rande: Bei der Spitzenkandidatin des VSSStÖ handelt es sich um niemand geringeren als die Großmutter von PVÖ-Obmann Charly Blecha.

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