Herbst­ferien nur Tropfen auf dem heißen Stein: Schulstress und Burn-out bei Schülern bereits Regel statt Ausnahme

Bild-Quelle: Pixabay

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) machte unlängst den Vorschlag, die schulautonomen Tage zu bündeln und österreichweit Herbstferien einzuführen. Begründet wurde dieser Vorstoß damit, dass die freien Tage dadurch besser planbar seien, insbesondere für Eltern mit mehreren Kinder an unterschiedlichen Schulen. Doch wie eine soeben veröffentlichte Studie zeigt, wären Herbstferien nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Denn Schule bedeutet für einen Großteil der Kinder kaum noch zu bewältigenden Stress und führt in vielen Fällen bereits Mitte Oktober zum Burn-out.


Psychologe und Studienautor Prof. Cornelius Oberhammer von der Pädagogischen Hochschule Klagenfurt umreißt die Hauptgründe für diese Entwicklung in seiner Arbeit folgendermaßen: „Während sich die Schüler früherer Generationen noch ausgiebig im Freien austoben oder sich mit einem Buch einfach mal zurückziehen konnten, lassen die digitalen Medien heutzutage diese Freiräume praktisch nicht mehr zu. Der Fernseh-Konsum nimmt zwar tendenziell bei Kindern und Jugendlichen ab, spielt aber nach wie vor eine wichtige Rolle in ihrem Alltag. Beides ist jedenfalls in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken und stellt die Kids vor eine enorme Herausforderung, die es früher nicht gab!“

Geht man von einer durchschnittlichen Smartphone-, Computer- und Tablet-Benutzung von 4-5 Stunden aus und rechnet dazu noch gut 2,5 Stunden für den täglichen TV-Konsum hinzu, kann man sich leicht ausrechnen, dass die Stunden, die in der Schule – und viel zu häufig auch noch bei Hausaufgaben – abgesessen werden müssen, kaum noch vernünftig im Rest des Tages unterzubringen sind. Prof. Oberhammer: „Die Schüler wollen in ihrem Ehrgeiz und den Eltern zuliebe häufig beides unter einen Hut bringen und verlagern ihren Medienkonsum notgedrungen bis spät in die Nacht hinein. Das wiederum führt klarerweise zu Schlafmangel und mündet letztlich in einer Spirale der völligen Überlastung und Erschöpfung.“

Der Studienautor empfiehlt den Jugendlichen, bis zum Umdenken in der Bildungspolitik die Wochenenden bestmöglich zu nutzen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Oberhammer: „Im Einkaufszentrum abhängen und chillen und vielleicht am Abend bei einer Party so richtig ordentlich die Sau rauslassen sind nach dem ganzen Stress unter der Woche wohl die einzig verbliebenen Möglichkeiten, um Körper und Geist vor dem völligen Kollaps zumindest kurzfristig zu bewahren.“

Die aktuellen Diskussionen über die Zusammenlegung schulautonomer Tage zu Herbstferien kosten den Psychologen jedenfalls nur ein müdes Lächeln: „Wir Erwachsenen sollten damit aufhören, darüber zu debattieren, wann die Schüler Ferien haben sollen. Wir müssen uns in die Lage der Kids versetzen. Dann wird schnell klar, dass vielmehr eine Diskussion darüber notwendig ist, an welchen Tagen den Kindern bzw. ob den Kindern in der heutigen Zeit überhaupt noch Schule zumutbar ist! Denn eines ist vollkommen klar: Wenn wir den Kindern nicht bald wieder jenes Ausmaß an Freizeit zurückgeben, das früheren Generationen zur Verfügung stand, dann nützt die viele Zeit in der Schule nichts. Mit dem bisschen Ferien brennen einfach nur alle komplett aus und landen irgendwann später unweigerlich in der Klapsmühle. Und eine so verlorene Generation können wir uns mit Sicherheit nicht leisten!“

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Jugend bleibt aus: Kirchen künftig mit Gratis-WLAN ausgestattet

Zu Ostern war das Ausbleiben der Jugend in den Kirchen ganz Europas unübersehbar: Waren die Reihen ohnehin schon eher spärlich...

Schließen