National­rats­wahl: Zu viele Listen – Excel-Tabelle statt Stimm­zettel

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Bei der Nationalratswahl im Herbst treten heuer erstmals so viele wahlwerbende Parteien und Listen an, dass sich diese nicht mehr auf einem einzigen Stimmzettel ausgehen. ‚Wenn noch weitere Jungstars oder frustrierte Alt-Politiker mit ihrer eigenen Liste antreten werden, könne nicht länger von einem Stimmzettel die Rede sein. Vielmehr müsse man bereits von einem Wahlkatalog sprechen‘, so das für die Wahl zuständige Innenministerium. Da ein mehrseitiger Wahlkatalog nicht nur die Herstellungskosten enorm verteuert, sondern auch beim Porto für den Versand der Wahlkarten bzw. bei der Briefwahl gehörig zu Buche schlägt, hat das Innenministerium nun kurzerhand entschieden, am 15. Oktober erstmals mittels Excel-Tabelle wählen zu lassen.


Robert Stein, stellvertretender Bundeswahlleiter im Innenministerium, begründet die Entscheidung seines Ressorts folgendermaßen: „Gerade ältere Leute würde es maßlos überfordern, wenn sie in der Wahlkabine länger in so einem mehrseitigen Wahlkatalog nach ihrer Partei bzw. ihrer Liste suchen müssten. Anstatt also wie anno dazumal in einem Telefonbuch zu stöbern, reicht es bei unserer Wahl-Excel-Tabelle, ‚Steuerung+F‘ zu drücken – und schon kann jeder blitzschnell das Gesuchte finden und sein Xerl machen.“

Meinungsforscher Christoph Hofinger vom Sora-Institut hatte im Vorfeld davor gewarnt, dass auf Grund des antiquierten Wahlprozederes in Österreich die Nationalratswahl erst einige Tage später entschieden werden könnte. Er zeigt sich überrascht und erfreut über die Entscheidung der Wahlbehörde: „Ein Stimmzettel auf Papier zum Ankreuzen im Zeitalter von selbstfahrenden Autos, Smartphones und Digitalisierung ist eigentlich reichlich anachronistisch. Erst recht der mühsame händische Auszählungsvorgang im Anschluss an die Wahl! Bei der Abstimmung mittels Excel-Tabelle sollte das Auszählen der Stimmen spätestens nach 5 Minuten erledigt sein. Und das offizielle Endergebnis dürfte wohl spätestens um 17:15 vorliegen!“

Anstatt einer Wahlkarte kann ab September auf der Homepage des BMI eine Wahl-Excel-Tabelle heruntergeladen werden. Diese Datei muss dann einfach am Wahltag per USB-Stick in die Wahlkabine mitgenommen werden, um vor Ort am Wahl-Laptop sein X zu machen. Auch die Briefwahl auf dem Postweg ist Geschichte: Das ausgefüllte und per Handy-Signatur unterschriebene Wahl-Excel ist stattdessen einfach per E-Mail an die Adresse excel-wahl@gmail.com zu senden. Robert Stein: „Ein zweites Malheur mit fehlerhaften Wahlkuverts gehört mit dieser Vorgehensweise hoffentlich der Vergangenheit an!“

Die Kostenersparnis auf Grund des neuen Wahlsystems ist enorm, da das Wahl-Excel hausintern von zwei Beamten des Bundesamtes für Verfassungsschutz nach Vorgaben des erst kürzlich beschlossenen Sicherheitspaketes erstellt werden soll und sämtliche Papier-, Druck- und Portokosten wegfallen. Wie immer die Wahl im Herbst ausgehen wird, ein Sieger dürfte jedenfalls bereits feststehen: Beim jährlich stattfindenden europäischen E-Government-Award ist Österreich mit diesem genial einfachen E-Voting der erste Platz wohl kaum noch zu nehmen!

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