Nach Scheitern als Standort für EU-Agenturen: Wien bemüht sich um Guantanamo

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Nur kurz währte der Katzenjammer über das Scheitern, eine der beiden EU-Agenturen EMA bzw. EBA von London nach Wien zu lotsen. Wien sei in Wirklichkeit der ideale Standort und die beiden Bewerbungen hochprofessionell gewesen, so der Tenor! Es sei lediglich daran gescheitert, dass Wien ohnehin schon die lebenswerteste Stadt der Welt sei. Doch ganz geschlagen geben möchte man sich noch nicht. Laut dem angehenden SPÖ-Bürgermeister-Kandidaten Michael Ludwig wolle sich Wien nun um eine alternative Einrichtung bemühen, bei der man sich sehr gute Chancen für einen Zuschlag erhofft: Dem Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base!


Ludwig zu den Plänen der Stadt im Zuge der Präsentation des Vorhabens: „Wir haben in die Bewerbungen für die beiden EU-Agenturen ordentlich Geld reingebuttert, das soll nicht umsonst gewesen sein. Wir haben uns daher nach ähnlich attraktiven Einrichtungen umgesehen, die an ihrem derzeitigen Standort geschlossen werden sollen.“

Eine eigens eingesetzte Expertenkommission sei bei ihrer Suche rasch auf das Gefangenenlager Guantanamo gestoßen, das bereits unter Barack Obama einen neuen Standort finden hätte sollen. Jetzt gelte es zu klären, ob die Administration von Donald Trump nach wie vor  an einer Verlegung von Guantanamo interessiert sei.

Als neuen Standort für das Gefangenenlager würde sich naturgemäß die Donauinsel anbieten, heißt doch Guantanamo übersetzt ‚Land zwischen den Flüssen‘. Doch Michael Ludwig, der mit Andreas Schieder seit kurzem einen Konkurrenten um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Häupl bekommen hat, möchte offenbar dem linken Parteiflügel in der Wiener SPÖ ein Angebot machen, indem ganz bewusst eine Location in einem der sogenannten Bobo-Bezirke ins Auge gefasst wird. Ludwig: „Mir sind die zahllosen Fetznstandln am Nachsmarkt schon länger ein Dorn im Auge. Dieses Areal könnte ich mir bestens als Ersatzstandort für Guantanamo vorstellen.“

Wien stellt mit dieser Ankündigung einmal mehr unter Beweis, dass es sich als weltoffene Stadt versteht. Der Slogan ‚Wien ist anders‘ soll nicht nur eine leere Phrase sein. Amsterdam und Paris mögen vielleicht mit dem Zuschlag für die EMA und EBA kurzfristig einen Erfolg eingefahren haben. Doch sollte Wien der Guantanamo-Coup tatsächlich gelingen, ist man am Ende wohl der lachende Dritte!

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