Wien warnt: Deutsch­förder­klassen dis­krimi­nieren öster­reichische Kinder

Bild-Quellen: Pixabay; Bildbearbeitung mit GIMP

Im Stadtschulrat Wien zeigt man sich über die von der türkis-blauen Regierung geplanten und von Bildungsminister Heinz Faßmann präsentierten Deutschförderklassen entsetzt. Dieses Vorhaben sei nicht nur teuer, aufwendig und organisatorisch undurchführbar, sondern würde außerdem zu einer Segregation der Schüler führen: Wiener Kinder ohne Migrationshintergrund würden durch diese Maßnahme in deutschsprachigen Ghettoklassen landen und dort als Minderheit klar benachteiligt sein!


Für SPÖ-Bildungslandesrat Jürgen Czernohorszky ist es absolut unverständlich, dass eine Partei wie die FPÖ einen derartigen Gesetzesentwurf mitträgt: „Jahrelang haben die Freiheitlichen ‚Österreich zuerst‘ getrommelt – und jetzt werden ausgerechnet die wenigen noch verbliebenen einheimischen Kinder, die mit deutscher Muttersprache aufgewachsen sind, bestraft, indem sie nicht wie der Großteil der Klasse in die geplanten Förderklassen dürfen?! Die österreichischen Kinder haben es an den Wiener Schulen ohnehin schon schwer genug – muss man sie jetzt auch noch mit diesem Vorhaben zusätzlich diskriminieren?!“

Franz Rohrhauser, Direktor an einer Neuen Mittelschule im 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, weiß nicht, wo er ab kommenden Herbst die deutschsprachigen Kinder unterbringen soll: „Uns konnte bis jetzt noch niemand sagen, was wir mit jenen Schülern anfangen sollen, die nicht zu den Deutschförderklassen zugelassen werden. Pro Klasse gibt es bei uns im Schnitt zwei bis drei Einheimische, für die wir ab Herbst Extrawürstel in Form eines zusätzlichen Klassenzimmers machen müssen. Klar, Container-Klassen für die Ösi-Kinder wäre eine Möglichkeit, aber das kostet Geld – und für Minderheiten gibt’s von Türkis-Blau wie üblich kein Budget!“

Bildungslandesrat Czernohorszky: „Förderprogramme sind zwar grundsätzlich zu begrüßen, aber wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen gefördert werden, die es am dringendsten notwendig haben! Wir fordern daher pluralistische Nicht-Deutschförderklassen, damit sich deutschsprachige Kinder so rasch als möglich wieder mit ihren Klassenkameraden in deren diversen Muttersprachen verständigen können. Eine gemeinsame Sprache ist und bleibt schließlich die wichtigste Integrationsmaßnahme und nur so können wir verhindern, dass sich jemand fremd im eigenen Land fühlen muss!“

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