Denkzettel für Hofer – das gab den Ausschlag

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Wie kurzlebig das politische Geschäft sein kann, musste Norbert Hofer am gestrigen Wahlabend schmerzhaft zur Kenntnis nehmen. Noch im April ging Norbert Hofer als klarer Gewinner der Bundespräsidentschaftswahl hervor – und gut ein halbes Jahr danach wurde er schon wieder abgewählt.


Wie konnte es kommen, dass die Österreicherinnen und Österreicher binnen so kurzer Zeit dem Wahlsieger von damals einen so raschen Denkzettel verpassten? Wir haben namhafte Politikwissenschaftler aus dem In- und Ausland um eine Analyse gebeten und Stimmen von der Straße eingefangen.

Monika Rahl, Auslandspolitik-Redakteurin beim deutschen Postillion, erklärt die Niederlage folgendermaßen: „Der Slogan ‚So wahr mir Gott helfe‘ war offenbar nicht eindeutig. Die Götter waren sich völlig uneins, wer nun gemeint sei. Jahwe habe den Slogan auf Grund seiner Allmacht auf sich bezogen, stand damit jedoch im Clinch mit seinem eigenen Sohn, der schon seit Längerem die Macht im Hause Gottes zu übernehmen trachtet. Zeus habe angeblich beiden damit gedroht, den Klimawandel weiter zu beschleunigen, sollte einer von ihnen Norbert Hofer tatsächlich unterstützen. Lakschmi – Göttin der Schönheit und des Glücks und Gattin Vishnus – wiederum sei über die nicht gegenderte Form des Wahlspruchs restlos verärgert gewesen, woraufhin Vishnu offenbar keine andere Wahl als Alexander van der Bellen hatte.“

Herwig Schnedl, Innenpolitik-Redakteur bei der Tagespresse, sieht eine der Hauptursachen ebenfalls in der Missachtung eines beträchtlichen Teils der österreichischen Bevölkerung: „Den Wahlkampf auf den kleinen Mann auszurichten, war eine denkbar schlechte Strategie. Der FPÖ dürfte völlig entgangen sein, dass es in Österreich gar nicht so viele kleine Männer gibt. Zwar ist der Durchschnittsösterreicher nur 1,72 Meter groß, als klein bezeichnen würden sich jedoch lediglich 4% der Männer. Kein Wunder also, dass ein großer Anteil zu Alexander van der Bellen übergelaufen ist.“ Ganz zu schweigen von den Wählerinnen. Jaqueline Pfisterer, ansonst glühender HC-Fan, hat diesmal ihr Kreuz bei Alexander van der Bellen gemacht: „Mit dieser Ausgrenzungspolitik muss endlich Schluss sein! Ich fühle mich von dieser Politik für den kleinen Mann regelrecht verarscht. Aus der Krone weiß ich, dass wir Frauen mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellen, es war echt höchste Zeit für einen Denkzettel!“

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl reagierte prompt auf die Kritik an der Wahlkampfausrichtung: „Sollte es zu einer neuerlichen Anfechtung der Wahl kommen, dann gehen wir voraussichtlich mit Ursula Stenzel und der Fürsprache von Maria, der Mutter Gottes, ins Rennen.“

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