Droht Spam-Gewerbe in Europa das Aus?

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Die goldenen Zeiten, als mit Spam-Mails in Europa noch ordentlich Geld verdient werden konnte, sind offenbar vorbei. Die beinahe schon flächendeckende Überwachung im Internet, immer ausgereiftere Spam-Filter, rufschädigende Konkurrenz-Mails krimineller Hacker oder das Outsourcing in Billiglohnländer setzen dem Spam-Gewerbe hierzulande stark zu. Beim europäischen Spammer-Kongress, der diese Woche am Messegelände Innsbruck abgehalten wurde, sah eine überwiegende Mehrheit der Teilnehmer für die eigene Branche schwarz: Das einst blühende Geschäft mit den Werbemails sei vom Aussterben bedroht, sollte nicht bald ein Umdenken bei den Regierenden – aber auch bei den Konsumenten – stattfinden.


Nicht nur Datenschützer laufen Sturm gegen die mittlerweile völlig ausufernde Überwachung im Internet durch Regierungen und Geheimdienste. Auch für das Spam-Gewerbe wird es zunehmend schwierig, die elektronischen Werbebotschaften anonym unters Volk zu bringen. Wie perfide NSA & Co. bereits vorgehen, zeigte unlängst das Beispiel einer Whistleblowerin in Amerika, die anhand einer geheimen Farbdruckmarkierung (MIC) auf dem Enthüllungsmaterial überführt werden konnte. Tests mit ausgedruckten Spam-Mails erhärten den Verdacht, dass die versteckten gelben Punkte auch bei den Mails der Spam-Branche – und das ohne deren Zustimmung – aufgebracht werden!

Die Vorsitzende der deutschen Spammer-Vereinigung, Sophie Kanga, Millionen-Erbin aus Zimbabwe, die einem Großteil der Bevölkerung auf Grund ihrer Mails zum Thema ‚Geld zuverlässig nach Afrika überweisen‘ bekannt sein dürfte, beklagt zudem die Machenschaften von Hackern, die ihre kriminellen Mails oft als harmlosen Spam tarnen und damit den Ruf der Branche enorm schädigen: „Für unsere Mail-Empfänger ist es teilweise unmöglich, zwischen einer qualitativ hochwertigen Spam-Mail und einer getarnten Nachricht samt gefährlicher Schadsoftware von Hackern zu unterscheiden. Im Zweifelsfall löscht der Konsument nämlich lieber derlei Mails und geht dabei das Risiko ein, womöglich komplett um einen Millionengewinn bei einem Gewinnspiel zu kommen!“

Aus finanziellen Gründen lassen viele Firmen ihre Spam-Mails außerdem mittlerweile lieber aus Billiglohnländern wie Nordkorea, Rußland oder China verschicken. Der aus Nigeria stammende Geschäftsmann Engr Zino Jabari, bekannt für seine Expertise in Sachen Penis-Vergrößerungen und Kammer-Präsident des österreichischen Spam-Gewerbes, kann diese Praxis heimischer Firmen nicht nachvollziehen: „Letzte Woche erhielt ich eine offenbar chinesische Spam-Mail über einen vermeintlichen Lotterie-Haupttreffer. Die Gewinnsumme war nicht in Euro sondern US-Dollar angegeben. Außerdem war sogar für einen Laien klar ersichtlich, dass die Absender-Adresse maschinell generiert war. Mal ganz zu schweigen vom verwendeten Deutsch. Diese Mail ließ jedenfalls jegliche Handwerkskunst vermissen!“

Um das europäische Spam-Gewerbe zu retten, fordert die Branche von der Politik die Rücknahme diverser Überwachungsmaßnahmen, ein schärferes Vorgehen gegenüber kriminellen Hackern sowie die Einführung eines Spam-Gütesiegels nach Vorbild des Fair Trade Labels. Auch die Konsumenten seien dazu angehalten, qualitativ hochwertigen Spam nicht mit billigen Junk-Mails in einen Topf – sprich Spam-Ordner – zu werfen. Und sollte einmal eine Spam-Mail irrtümlich an einen falschen Empfänger zugestellt werden – was sich bei der Menge an Spam-Mails nur schwer vermeiden lässt – dann wäre man für jeden diesbezüglichen Hinweis dankbar. Denn korrekte Epfänger-Listen wären ein weiteres Qualitätsmerkmal, mit dem man sich von Billig-Anbietern aus Fernost positiv abheben könne.

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