Heiliger Geist: Ewiger Dritter steigt aus

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Das war’s dann wohl. Allein schon immer nur die Nummer Drei zu sein ist auf Dauer nicht lustig, aber dann auch noch das! Für den Heiligen Geist, einem glühenden Anhänger irdischer Popmusik, war die Todesmeldung von George Michael jener berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Er kündigte mit sofortiger Wirkung und steigt endgültig aus der Dreifaltigkeit aus.


Für den Engelein Chor kam diese Nachricht jedenfalls aus einem gar nicht heiteren Himmel, so dass einige Zeit verging, ehe dann doch die Hiobsbotschaft verkündet wurde. Für Kenner der himmlischen Szene allerdings kam dieser Schritt offenbar nicht unerwartet. Der Heilige Geist hatte es von Anbeginn an nicht leicht in diesem ungleichen Trio: Gott Vater, der allmächtige Patriarch und nicht selten ins Cholerische neigend, Jesus, der Empathische, dem alle Herzen sofort zuflogen, und schließlich der Heilige Geist, ein nüchterner Intellektueller, der in der Schule nicht selten unter dem Nimbus eines Strebers zu leiden hatte.

Selten wurden die Leistungen des Heiligen Geistes entsprechend gewürdigt, im Vergleich zur Anzahl der Feiertage zu Ehren von Jesus und Maria musste er sich mit einem einzigen und noch dazu eher unbedeutenden Pfingstfest zufrieden geben. In Darstellungen reichte es gerade einmal zu einer symbolischen Taube, seine Friedensbemühungen wurden meist durch den allmächtigen Vater durchkreuzt, der offenbar mehr Gefallen an Vernichtung, Zerschmettern und Ausrottung finden konnte. Was die Herkunft des Heiligen Geistes betraf, blieb vieles im Dunkeln, im Unterschied zu Jesus gab es jedenfalls nie ein weihnachtliches Geburtstagsfest.

Auch die psychiatrische Betreuung durch Sigmund Freud, der extra zu diesem Zweck vorzeitig aus dem Fegefeuer entlassen worden war, konnte offenbar die Minderwertigkeitsgefühle und den seit ewigen Zeiten aufgestauten Frust nicht lindern. Dass nach David Bowie und Prince auch noch George Michael innerhalb eines Jahres vorzeitig das Zeitliche segnen musste, war letztlich dann sogar für eine göttliche Psyche und trotz Unmengen von Antidepressiva nicht mehr zu ertragen. Zukunftspläne gibt es noch keine, der Heilige Geist nimmt sich fürs erste einmal eine Auszeit unbestimmter Dauer.

Der Vatikan überarbeitet übrigens bereits seine Lehren zur Dreifaltigkeit, das neue Schlagwort lautet Dualität. Doch Himmelsexperten warnen davor, voreilig und überhastet diesbezügliche Anpassungen vorzunehmen. Angeblich ist auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn nicht mehr das allerbeste. Wer weiß, ob nicht in naher Zukunft auch in der katholischen Kirche das Wort Monotheismus zu seiner wahren Bedeutung zurückfindet!

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