Silversterknallerei: Tierschützer schlagen Alarm

Bild-Quelle: Pixabay

Tierschützer sind aufs höchste besorgt: Die Witterungsverhältnisse der gestrigen Silvesternacht und ein dadurch bedingter, noch nie dagewesener Lärmpegel zu Mitternacht, gepaart mit den viel zu warmen Temperaturen der vergangenen Wochen dürften für ganze Populationen von Tieren, die ohnehin schon auf der Liste der stark gefährdeten Arten stehen, den Todesstoß bedeutet haben.


Entomologe Prof. Herwig Rexweiser von der veterinärmedizinschen Universität Wien: „Der Mix aus Temparaturen um den Gefrierpunkt, einer sternenklaren Nacht und einer durchschnittlichen relativen Luftfeuchtigkeit von 76% haben dazu geführt, dass Böller, Raketen und sonstige Feuerwerkskörper in der gestrigen Nacht besonders laut geknallt haben. Diese perfekten Bedingungen für den sogenannten Doppler-Hall waren dafür verantwortlich, dass wir bei den gemessenen Dezibelwerten alle bisherigen Rekorde weit hinter uns gelassen haben.“

Während Säugetiere wie Kühe, Katzen und Schweine mit diesem Lärm recht gut zurecht kommen und somit ein ziemlich entspanntes Silvester erlebten, bescherte die gestrige Nacht einer Reihe anderer Tierarten mit ausgeprägtem Gehörsinn ein geradezu apokalyptisches Ereignis. Rexweiser: „Viele Arten aus der Gruppe der Arionoidea sind durch den gestrigen Lärm empfindlich in ihrer Winterruhe gestört worden. Ein ähnliches Schicksal dürften viele Vertreter aus der Gruppe der Vespinae erlitten haben, weiters Vertreter der Culicidae und eine Reihe von Tieren aus der Familie der Zünsler. Die zu warmen Temperaturen der letzten Wochen haben nämlich dazu geführt, dass der Winterschlaf dieser Tiere nicht tief genug ausgefallen ist und sie durch den großen Lärm der Silvesternacht aus dem Schlaf gerissen wurden. Einmal aufgewacht finden alle diese Gattungen nicht mehr in den nötigen Schlaf zurück, der diese Tiere sonst durch den Winter bringt. Dieser Eingriff in den natürlichen Rhythmus der Tiere dürfte voraussichtlich ganze Populationen dahinraffen.“

Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht der renommierte Insektenforscher allerdings: „Alle diese Tiere haben in den letzten Jahrzehnten gelernt, mit den Eingriffen des Menschen in ihre natürlichen Lebensräume immer besser zurecht zu kommen. Es besteht daher eine gewisse Chance, dass die Tiere mittlerweile robust genug sind, um aus dem gestrigen Wahnsinn unbeschadet oder zumindest nur leicht traumatisiert davongekommen zu sein!“

Wir dürfen also vorsichtig optimistisch sein, dass wir auch im kommenden Sommer nicht ganz auf Nacktschnecken, Wespen, Gelsen und Lebensmittelmotten verzichten werden müssen!

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