Nösis, Wösis und Sösis – politisch noch korrekt?

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Nachdem bei unseren Nachbarn in Deutschland auf Grund der Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln eine hitzige Debatte über die Verwendung des Ausdrucks ‚Nafris‘ entbrannt ist, erfasst die Diskussion nun auch den kleinen Bruder in Österreich. Sind die seit jeher verwendeten Bezeichnungen ‚Nösis‘, ‚Wösis‘ und ‚Sösis‘ noch politisch korrekt? Oder sind auch sie schlichtweg diskriminierend?


Wir haben uns ein wenig im Land umgehorcht und versucht, die Stimmung in der Bevölkerung einzufangen. Vorarlberger, Tiroler und Salzburger sehen selbst kaum Probleme, als Wösis bezeichnet zu werden. Lediglich bei den Salzburgern ist gelegentlich zu hören, lieber als Mösis (Mittel-Österreicher) bezeichnet zu werden. Doch dieser Ausdruck wird meist nur hinter vorgehaltener Hand und üblicherweise begleitet von verstohlenem Kichern in den Mund genommen.

Weniger Konsens gibt es unter den drei Sösis-Ländern Kärnten, Steiermark und Burgenland. Hier zeigt sich ganz eindeutig, dass die Kärntner und Steirer nur ungern in einem Atemzug mit den Burgenländern genannt werden wollen. Seit jeher versuchen die beiden Bundesländer, die Burgenländer als Oösis zu bezeichnen, was aber offenbar am Widerstand der Oberösterreicher scheitert, die diese Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen. Unter den Sösis gibt es daher naturgemäß viele Stimmen, die diese Bezeichung als diskriminierend betrachten und für ein Ende dieses Sprachgebrauchs eintreten.

Auch wenn die Oberösterreicher sich selbst hin und wieder als Oösis bezeichnen, werden sie im restlichen Bundesgebiet praktisch ausschließlich gemeinsam mit dem Bundesland Niederösterreich zu den Nösis gezählt. Geteilt sind die Meinungen, was die Einbeziehung der Wiener zu den Nösis betrifft. Während beispielsweise LH Erwin Pröll für die Einverleibung der Bundeshauptstadt eintritt, wollen viele Bürger offenbar beim besten Willen nicht mit den Wienern in Verbindung gebracht weren. Josef Ranzbichler, Weinbauer aus dem Kamptal: „W steht für Wasserkopf – und sonst nix. Nie und nimmer sind die Wiener Nösis! Wien-Umgebung ist schon grenzwertig.“

Sprachwissenschaftlerin Reinhild Müller von der Universität Salzburg fasst die Stimmungslage in Österreich folgendermaßen zusammen: „Die Begriffe sind in den Köpfen der Bevölkerung seit vielen Generationen fest verankert. Genauso wie wir die Amerikaner meist als Amis bezeichnen oder die Deutschen in Wessis und Ossis einteilen, sind die Bezeichnungen Nösis, Wösis und Sösis hier in Österreich fixer Bestandteil der Alltagssprache. Und abgesehen von vernachlässigbaren länderspezifischen Scharmützeln werden diese auch kaum als diskriminierend angesehen.“

Den Verzicht auf 100 Watt Glühbirnen und Glyphosat haben die Österreicher murrend hingenomen, die Verwendung der Begriffe Nösi, Wösi und Sösi lassen sie sich offenbar auf keinen Fall wegnehmen.

 

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