Baumarkt-Preise explodieren: Aufdecker-Artikel der Krone geht nach hinten los

Bild-Quellen: Pixabay & Wikipedia

So kann dilletantischer Aufdecker-Journalismus nach hinten losgehen! In gewohnt sensations-geiler Manier brachte die Kronen Zeitung unlängst einen Artikel darüber, welch exorbitant hohe Kosten die Firma Eurofighter für Ersatzteile dem österreichischen Bundesheer für dessen Abfangjäger verrechnet hatte. Doch das Boulevard-Blatt  hatte dabei eines nicht bedacht: Die deutschen Baumarktketten reagierten prompt – und die österreichischen Heimwerker und Häuslbauer können jetzt die Zeche blechen!


Mag sein, dass der Krone-Artikel gut gemeint war. Und vielleicht hätte er auch nicht weiter für Aufmerksamkeit in der deutschen Baumarkt-Branche gesorgt, misst man doch dort einer Meldung des österreichischen Platzhirschen am Zeitungsmarkt einen ähnlichen Stellenwert bei wie einem reißerischen Artikel der Bild-Zeitung in Deutschland. Doch nachdem in Österreicher in Sachen Eurofighter die Emotionen rasch hochgehen, andere Medien die Story ebenfalls aufgriffen und sich sogar die Grünen zu dem Slogan „14.500 Euro für ein Gummiringerl“ auf Facebook verstiegen, hatte die Meldung offensichtlich auch bei unseren deutschen Nachbarn das nötige Gewicht. Und bei den Chefs von Obi & Co. leuchteten in Folge die Augen ordentlich auf.

Hornbach-Finanzvorstand Detlef Wiedenbrink gibt im Gespräch mit der Entenpost ganz offen zu, wie es zu den plötzlichen Preissteigerungen in den österreichischen Hornbach-Filialen gekommen ist: „Also nachdem ich vernommen hatte, dass die Ösis mit einem Preis von 14.554 Euro für eine Gummidichtung offenbar kein Problem haben, da dachte ich mir: ‚Die Österreicher sind zwar nicht ganz dicht. Aber wir bei Obi wären auch vollkommen meschugge, wenn wir unsere Dichtungen in Österreich weiterhin um lediglich 79 Cent verhökern würden!'“

Guido Kassebrock, einer der Aufsichtsräte bei Obi, hatte sofort nach Bekanntwerden der Eurofighter-Preise aus den österreichischen Medien zum Telefon gegriffen. Im Gespräch mit dem Finanz-Chef von Bauhaus begrüßte dieser seinen Gesprächspartner angeblich vollkommen aus dem Häuschen mit den Worten: „In Österreich sind 82.000 Euro für einen Wellendichtring handelsüblich! Österreich?! Wer hätte das gedacht! Ich will mir gar nicht ausrechnen, was wir dort in Zukunft für einen Schraubendreher verlangen können. Guido, vergiss den deutschen Markt, volle Konzentration auf die Ösis!“

Dass uns die Politiker ein Finanz-Desaster nach dem anderen bescheren, sind wir mittlerweile ja schon fast gewohnt. Wenn man sich so manches Wahlergebnis ansieht, hat man das Gefühl, dass die Bürgerinnen und Bürger ihnen dies auch sehr rasch nachsehen. Doch wenn es um die Preise für Fischer Dübel, Hilti & Co. geht, dann hört sich der Spaß sogar für den gutmütigsten Österreicher auf. Vielleicht nimmt ja die Kronen Zeitung das Ganze zum Anlass, in Zukunft ein bisserl darüber nachzudenken, was man schreiben – oder besser nicht schreiben – sollte. Uns Heimwerkern, Häuslbauern und sonstigen Baumarkt-Junkies habt ihr mit eurer Story jedenfalls einen Bärendienst erwiesen. Danke liebe Krone!

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Skisprung-Reform: Ab 2018 endlich auch Technik-Wettkämpfe

Jahrzentelang galt der Skisprung als reine Speed-Disziplin: Vom Balken ging es für den Athleten pfeilgerade in der Abfahrtshocke Richtung Schanzentisch....

Schließen