FIFA-Neuerung: Eckpenalty soll Abwehr­schlachten verhindern

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Erinnern Sie sich an das Finale dahoam, das UEFA-Champions-League Finale aus dem Jahr 2012 zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea? Die Bayern waren klar feldüberlegen und gaben unzählige Torschüsse ab, wurden gegen die extrem defensiv aufgestellten Engländer allerdings erst in der 83. Minute mit dem 1:0 belohnt. Während die Münchner im gesamten Spiel auf unglaubliche 20 Eckstöße kamen, schaffte der FC Chelsea gerade mal eine Ecke – und ausgerechnet aus dieser fiel in der 88. Minute der Ausgleich. Der Rest ist bekannt: Es kam zur Verlängerung und zum Elfmeter-Schießen, das die Engländer schließlich mit 4:3 für sich entscheiden konnten. Doch wenn es nach der FIFA geht, ist mit Abwehrschlachten dieser Art künftig Schluss – und das Spiel von damals wäre mit der angekündigten Regeländerung wohl 7:1 für den FC Bayern München ausgegangen!


FIFA-Präsident Gianni Infantino präsentierte bei einer Pressekonferenz in Zürich die geplante Regelanpassung der Öffentlichkeit: „Wir wollen die Attraktivität des Spiels heben, indem wir ganz klar einen Offensivfußball forcieren. Es ist dem Publikum einfach nicht zuzumuten, dass sich eine Mannschaft nur hinten reinstellt und hofft, irgendwann glücklich zu einem Konter zu kommen und damit das Match komplett gegen den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen.“

Um das zu erreichen, werden die Eckstöße aufgewertet. Infantino: „Künftig wird jeder dritte Eckstoß automatisch als Strafstoß ausgeführt. Mit diesem sogenannten ‚Eckpenalty‘ wollen wir Teams belohnen, die sich nach vorne orientieren. Das sollte naturgemäß für mehr Höhepunkte in den 90 Spielminuten sorgen. Gleichzeitig erhoffen wir uns damit, dass defensiver eingestellte Mannschaften viel schneller dazu gezwungen werden, etwas für die Offensive zu tun.“

Für Underdogs wie San Marino oder die Niederlande wird es somit in Zukunft wohl ziemlich schwer werden, gegen einen Favoriten zu überraschen. Beton anrühren und hinten die Reihen dicht machen dürfte künftig nicht mehr ausreichen. Dass die geplante Regeländerung ausgerechnet in die Ära eines Präsidenten mit italienischen Wurzeln fällt, hat viele Fußballkenner positiv überrascht, ist doch gerade der Fußball der Squadra Azzurra eher für Defensivtaktik bekannt. Entsprechend zurückhaltend fielen auch die ersten Reaktionen aus Italien aus.

Von einer Mehrheit der Länder wurde die angekündigte Regelanpassung jedoch mit großer Begeisterung aufgenommen. DFB-Stürmer-Star Marco Reus tat seine Freude auf Twitter mit den Worten ‚Danke FIFA. Vollgasfußball pur!!! Leute, ihr werdet das Spiel noch mehr lieben als bisher …‘ kund. Auch Aleksandar Dragović, Abwehrchef im ÖFB-Team, hält viel von der neuen Regel: „Für die Defensivspieler bedeutet der Eckpenalty jedenfalls eine tolle neue Herausforderung, da die Angreifer künftig nicht nur aufs Tor schießen werden, sondern auch versuchen werden, uns Verteidiger abzufetzen, um einen Eckball zu provozieren. Endlich wird das berüchtigte Tunneln zu einer wirksamen Gegenmaßnahme, mit der genau das verhindert werden kann. Der Gurkerl-Ausfallschritt muss nur blitzschnell und technisch sauber ausgeführt werden, damit du die Absicht des Stürmers zunichte machen kannst.“

Wenn die Regelanpassung wie von Infantino erhofft sämtliche Gremien der FIFA zügig passiert, könnte die Neuerung bereits bei der kommenden Fußball-WM in Russland zum Einsatz kommen. Schön jedenfalls, dass sich der oberste Fußballverband nicht nur mit den Unterhosenfarben der Spieler beschäftigt, sondern gelegentlich auch Regeln andenkt, die den Fußball noch attraktiver machen als er ohnehin schon ist!

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