Demonstration der neuen Machtfülle: Erdoğan ruft drei europäische Kolonien aus

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Mit welch unglaublicher Machtfülle Recep Tayyip Erdoğan auf Grund des klaren Ergebnisses beim Verfassungsreferendums in der Türkei ausgestattet wurde, demonstrierte der türkische Präsident heute Vormittag, indem er drei ehemals unabhängige europäische Staaten zu Kolonien der Türkei ernannte. Neben den Niederlanden und Belgien ist auch Österreich mit an Bord. Offensichtlich wurden jene Länder belohnt, in denen beim Referendum mehr als 70% der Wählerinnen und Wähler mit ‚Evet‘ gestimmt hatten.


Die völlig neue Aufteilung der Landkarte in Europa wurde in den drei betroffenen Ländern mit frenetischem Jubel begrüßt. Hunderttausende begeisterte Menschen in Den Haag, Brüssel und Dornbirn strömten spontan auf die Straßen und feierten die Nachricht aus Ankara. Murat Açıkgöz bringt die Stimmung auf den Punkt: „Das ich das noch erleben darf: Nach mehr als 30 Jahren habe ich endlich hier eine neue Heimat gefunden!“

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In der Kolonie Avusturya – ehemals Österreich – wurde Robert Lugar mit der Leitung einer Übergangsregierung betraut. Dies wurde seitens Ankara damit begründet, dass Lugar einerseits ein langjähriger Politiker sei und andererseits in der Vergangenheit bereits mehrfach unter Beweis gestellt habe, dass ein Wechsel der politischen Weltanschauung für ihn keinerlei Probleme darstelle.

Eine der ersten Aufgaben Lugars wird sein, sich ein ordentliches Integrationskonzept für die hier lebenden Gastarbeiter aus dem ehemaligen Österreich zu überlegen. Türkisch-Unterricht und osmanische Werte-Kurse seien das Gebot der Stunde, so Lugar in einer ersten Stellungnahme. Wer mit einer ab sofort illegalen österreichischen Staatsbürgerschaft erwischt werde, müsse mit einer Geldstrafe rechnen. Nach Einführung der Todesstrafe sei unter Umständen mit noch drastischeren Strafen für dieses Delikt zu rechnen.

Obwohl in absoluten Zahlen die meisten Ja-Stimmen in Deutschland abgegeben wurden, ging unser Nachbarland leider leer aus. Die 63,07% waren offenbar zu wenig, um ebenfalls in den elitären Kreis der türkischen Kolonien aufgenommen zu werden. Entsprechend enttäuscht reagierten deutsche Politiker. Allen voran Angela Merkel, die eingestand, mit ihrem zaghaften Verhalten in der Affäre Jan Böhmermann nun offensichtlich spät aber doch die Rechnung präsentiert bekommen zu haben.

Wie es mit der EU weitergehen wird, ist derzeit völlig offen. Mit dem Brexit und dem plötzlichen Ausscheiden dreier weiterer ehemaliger EU-Staaten steht Brüssel nun vor einer schier unlösbaren Herausforderung. A propos Brüssel: Nachdem die belgische Hauptstadt nicht länger als Sitz des EU-Parlaments zur Verfügung steht, wird wohl eine der ersten Aufgaben der EU-Kommission darin bestehen, sich nach einem neuen EU-Hauptsitz umzusehen. Sollte das geplante Unabhängigkeitsreferendum in Schottland zügig über die Bühne gehen und die Schotten der EU beitreten, dann hätte dem Vernehmen nach Edinburgh beste Chancen, dieses Rennen zu machen.

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