Hamsterkäufe in Buchläden: Handke, Jelinek & Co. restlos ausverkauft

Kunden stürmen auf Grund des Lockdowns die Buchhandlungen
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Der neuerliche Lockdown samt Schließen des Handels hat gestern zu einem regelrechten Ansturm und unbeschreiblichen Hamsterkäufen bei Buchhändlern in ganz Österreich geführt. Egal ob Lyrikband, Fachbuch, griechisches Drama, historischer Roman oder Reiseführer – vielerorts waren die Regale bereits lange vor Ladenschluss komplett leergefegt!


Waren es im ersten Lockdown noch eher profane Dinge wie Klopapier, Germ oder Desinfektionsmittel, die wie verrückt gekauft wurden, haben die Österreicher offenbar mittlerweile intellektuell zugelegt und scheinen zu wissen, worauf es in den bevorstehenden Wochen zu Hause in den eigenen vier Wänden tatsächlich ankommt.

Erwin Rauschmüller, dessen Buchhandlung in der Klagenfurter Innenstadt liegt, schildert die unglaublichen Szenen von gestern Nachmittag: „Kurz nach 14:00 Uhr waren wir dem Kollaps nahe! Für Kunden gab es praktisch kein vorwärts oder rückwärts mehr. Um dem Ansturm noch Herr zu werden, mussten wir ein Einbahnsystem installieren!“

Nicht immer ging es friedlich zu, so kam es beispielsweise in der Salzburger Rupertus Buchhandlung zu Handgreiflichkeiten um das letzte ‚Die morawische Nacht‘-Exemplar von Peterk Handke. Die Rettungsgasse für die auf Grund mehrerer Kopf- und Stichverletzungen hinzugerufenen Sanitäter und Exekutivbeamten funktionierte eher schlecht als recht, wie Augenzeugen vor Ort berichteten.

Für einen sonst eher wenig nachgefragten Kafka hätten sich Kunden in ihrem Laden gegenseitig teils um das Vielfache des Verkaufspreises zu überbieten versucht, so Rosa Pilcher, Buchhändlerin aus Eisenstadt: „Um das Weihnachtsgeschäft muss ich mir nach dem gestrigen Tag jedenfalls keine Sorgen mehr machen!“

Der Ansturm auf die Buchhandlungen hat offenbar auch die Verlagshäuser total unvorbereitet getroffen: Bücher von Elfriede Jelinek, Heimito von Doderer oder Ödön von Horváth sind nicht mehr lieferbar. Beim Suhrkamp Verlag rechnet man bei Bestellungen aktuell mit Wartezeiten bis mindestens Anfang Februar.

Laut Hermann Dworak, Buchhändler am Graben in Wien, sind auch E-Books so gut wie ausverkauft, in seinen Regalen habe er lediglich noch ein paar ältere E-Books in Kurrentschrift. So wie er überlegen daher die meisten Buchhändler in ganz Österreich morgen Montag, mangels Verkaufsware erst gar nicht aufzusperren.

Wer also vor dem Lockdown noch auf der Suche nach Büchern ist, der dürfte wohl eher beim Antiquitätenhändler oder im Second Hand Shop fündig werden. Mit etwas Glück bekommt man dort noch einen Karl May oder gar einen Perry Rhodan!