Das BZÖ-Briefkasten­system: Stefan Petzner packt aus

Bild-Quellen: Pixabay, Bateman55Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Dass vielen Politikern in Kärnten in der Vergangenheit das Geld eher locker in der Tasche gesessen hat, dürfte mittlerweile bekannt sein. Und wurde uns durch den früheren Landehauptmann Gerhard Dörfler im Prozess um die BZÖ-Broschüre auf Kosten des Landes mit seinem Briefmarken-Sager einmal mehr sehr deutlich vor Augen geführt. Uns von der Entenpost kam dieser Ausdruck gelinde gesagt etwas griechisch vor. Und der Verdacht, dass da eventuell mehr dahinter stecken könnte, bewahrheitete sich bei einem Interview mit Stefan Petzner, in dem er schier unfassbare Praktiken schildert.



Entenpost (EP): Herr Petzner, sind Sie enttäuscht, dass der ehemalige Landeshauptmann in der Affäre um die BZÖ-Broschüre jegliche Mitschuld abstreitet?

Stefan Petzner (SP): Was heißt enttäuscht, ich bin regelrecht heiß! Als ob der Dobernig und ich ihm das alles untergeschoben hätten! Dreimal dürfen Sie raten von wem die Anordnung kam! Jetzt tut der frühere Landeshauptmann so, als hätte er den damaligen Akt so wie bei unserem Briefmarken-Schmäh unterschrieben!

EP: Briefmarken-Schmäh? Was meinen Sie damit?

SP: Na unser Briefkastensystem! Wenn du für irgendwas ein bisserl Geld gebraucht hast, dann hast du einfach ins Büro des Landehauptmanns einen Pseudo-Akt geschickt mit der Bitte um Geld für Briefmarken. Als Begründung haben wir praktisch immer ‚Beantwortung Fan-Post‘ angegeben. Jeder, der da mitmachte, hatte im Sekretariat des Pressebüros seinen eigenen Briefkasten. Da legte man dann seine Brieftasche rein – wir nannten dieses Portmonee spaßhalber Portomoney, ha ha, auf diesen Ausdruck von mir bin ich heute noch stolz  – und am Tag darauf war dann das gewünschte Geld für die ‚Briefmarken‘ drin.

EP: Wahnsinn! Von welchen Summen reden wir da?

SP: Na wir wollten es ja nicht übertreiben, deshalb durfte die Portosumme nie die 5000 Euro übersteigen. Aber notfalls konnte man ja auch zwei oder mehr Akte einreichen.

EP: Und das ging alles ohne Beleg?

SP: Ja, freilich, bei so lächerlichen Beträgen schaut ja nicht mal der Kärntner Landesrechnungshof näher hin! Und da es keine Transparenz-Datenbank gab, ging das natürlich so easy cheesy wie jede x-beliebige Förderung.

EP: Und wofür wurde das Geld tatsächlich verwendet?

SP: Tja, alles kann ich Ihnen natürlich nicht verraten, das wär‘ nämlich nicht ganz jugendfrei! Sagen wir mal so: Alles, was einem BZÖ-Politiker in den goldenen Jahren der Kärntner Landespolitik halt so das Leben versüßt hat. Und hie und da haben wir dann schon auch ein bisserl was unters Wahlvolk verteilt, da konnte man auf großzügig machen. Das kam gut an bei den Leuten. Sah ja vor allem so aus, als käm’s aus der privaten Brieftasche!

EP: Herr Petzner, kann es sein, dass wir künftig noch mehr von dieser Art von Ihnen hören werden?

SP: Das kommt jetzt ganz auf den Dörfler drauf an. Wenn der noch länger auf unschuldig macht, dann kann’s schon sein, dass aus mir noch ein regelrechter Whistleblower wird. Der packt jetzt besser selber aus, ehe ich ihm zuvor komme …


Bevor wir dieses Interview online stellten, mussten wir es uns mehrmals anhören: Wir konnten einfach nicht fassen, was wir da zu Gehör bekommen hatten. Im Lichte solcher Praktiken erscheint uns ein Hypo Debakel eigentlich geradezu logisch. Und andere landespolitische Auswüchse wie beispielsweise die Erwin Pröll Privatstiftung muten im Vergleich dazu zwar ebenfalls zweifelhaft, aber fast schon wie Musterbeispiele in Sachen Rechtmäßigkeit an!

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