Konflikt um schiefen Stephansdom eskaliert

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Als unlängst bekannt geworden war, dass die italienische Stadt Pisa plant, neben dem Schiefen Turm von Pisa als zusätzliche Attraktion ein Riesenrad zu errichten, war bei den Tourismusverantwortlichen in Wien Feuer am Dach: Eine angemessene und vor allem rasche Reaktion war gefordert. Eine Expertenkommission kam innerhalb weniger Tage zu dem Ergebnis, dass eine künstliche Neigung des Stephansdoms eine architektonisch ansprechende und vor allem ökonomisch vetretbare Replik auf das geplante Riesenrad der Italiener wäre.


Schon als 1999 in der britischen Hauptstadt das London Eye seinen Betrieb aufgenommen hatte, sah man sich in Wien um sein bisheriges Alleinstellungsmerkmal gebracht. Die als Antwort geplante Donau Tower Bridge war damals jedoch am Geld gescheitert, das im Jahr zuvor bereits im Wahlkampf für diverse Wahlzuckerl hinausgepulvert worden war. Da nun auch Italien sein Riesenrad bekommen sollte, sah man in der MA 23, der für Wirtschaft und Tourismus zuständigen Magistratsabteilung, die Nächtigungszahlen förmlich die Donau runtergehen.

Bürgermeister Michael Häupl reagierte auf die Pläne unseres südlichen Nachbars mit gewohnt deftiger Wortwahl: „Das lassen wir uns von den Italienern sicherlich nicht so mir nix dir nix bieten. Die eigens von mir einberufene Task-Force hat bereits ein fix fertiges Konzept ausgearbeitet, mit dem wir den Pisanern zeigen werden, wer in Europa die Nummer Eins in Sachen Tourismus ist – und auch bleiben wird. Und damit sich die in Pisa mit ihrem Turm brausen gehen können, werden wir den Steffl nicht um 4 sondern gleich um ganze 5 Grad neigen! Die vom Denkmalamt haben gemeint, es wären sogar 6 Grad möglich, aber wir wollen’s ja nicht übertreiben, sonst haben wir am Ende wieder den Schas mit dem Weltkulturerbe am Hals.“

Wenig Freude mit den Plänen der Stadt hingegen hat die Erzdiözese Wien, die sich von den Vorstellungen der Politik komplett überrumpelt und übergangen fühlt. Ein Vieraugengespräch zwischen Häupl und Kardinal Christoph Schönborn brachte vorerst keine Annäherung. Der Bürgermeister zeigte im Anschluss an das Gespräch wenig Verständnis für die Weigerung der Diözese, die baulichen Maßnahmen so rasch als möglich umzusetzen. Häupl: „Wir buttern jährlich Millionen von Euros in die Instandhaltung des Stephansdoms, da kann es ja wohl nicht zuviel verlangt sein, dass sich die Kirche hier einmal dankbar zeigt und diesen kleinen baulichen Eingriff nicht länger verweigert.“

Seither herrscht Eiszeit zwischen dem Rathaus und den kirchlichen Vertretern. Mittlerweile hat sich sogar der Vatikan in den Konflikt eingeschaltet. Rom ist naturgemäß auf Seiten der Erzdiözese. Das Presseamt des Heiligen Stuhls richtete folgende Botschaft an die christliche Gemeinde in ganz Österreich: „Ein Haus Gottes darf sich nicht einfach wirtschaftlichen Interessen beugen. Wir rufen alle aufrechten Katholiken in Östereich dazu auf, im wahrsten Sinne des Worte für die Aufrechterhaltung des Stephansdoms einzutreten, zu beten und zu spenden! Soll sich doch das Rathaus ‚beugen‘!“

Doch trotz höchster kirchlicher Unterstützung für die Diözese dürfte die Stadt Wien mit ihrem Ansinnen wohl am längeren Ast sitzen. Ein leicht gereizter Bürgermeister Michael Häupl: „Wenn wir die Zahlungen für den Steffl einstellen, dann wär‘ die Hüttn wahrscheinlich in ein paar Jahren ohnehin so windschief, wie wir sie schon jetzt gern haben wollen.“

Mit diesem finanziellen Druckmittel in Händen und unter der Voraussetzung, dass nicht noch in letzter Sekunde ein Wunder geschieht, dürften voraussichtlich bereits nächste Woche die Grabungsarbeiten zur Absenkung der südlichen Domhälfte beginnen.

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