Gender-Pay-Gap: Öster­reichische Bischofs­kon­ferenz kündigt gleichen Lohn für Priester­innen und Priester an

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Island hat unlängst angekündigt, als weltweit erstes Land Firmen per Gesetz dazu zu verpflichten, Frauen und Männern für die selbe Arbeit den gleichen Lohn zu zahlen. Spätestens 2022 solle der sogenannte Gender-Pay-Gap Geschichte sein. Wie aus Kirchenkreisen zu hören ist, plant die österreichische Bischofskonferenz, die ab 13. März in der Benediktiner-Propstei St. Gerold in Vorarlberg tagt, noch in diesem Jahr im Kircherecht per Dekret zu verankern, dass Priesterinnen und Priester für die selbe Tätigkeit den selben Lohn erhalten sollen.


Kardinal Christoph Schönborn bestätigt in einem Telefonat das angekündigte Dekret zur Gleichstellung von Männern und Frauen im Priesterberuf: „Die katholische Kirche in Österreich ist bekannt dafür, dass sie aufgeschlossen für Neues und im 21. Jahrhundert angekommen ist. Wir möchten mit gutem Beispiel vorangehen und mit diesem Gesetz dafür sorgen, dass Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Nationalität in Hinkunft vermieden werden.“

Das Dekret ist eine Maßnahme, um ungerechte Bezahlung von Priesterinnen und Priestern bald Geschichte werden zu lassen. Im Unterschied zu Island, das den Gender-Pay-Gap bis 2022 beseitigen möchte, soll dieses Vorhaben nach dem Wunsch der österreichischen Bischöfe wesentlich rascher und noch bis Ende des Jahres umgesetzt sein. Pfarren, die mehr als 25 Priesterinnen und Priester beschäftigen, müssen ab 2018 per Zertifikat die Lohngerechtigkeit unter Beweis stellen, ist auf der Website von Kathpress, der katholischen Presseagentur Österreichs, bereits zu lesen.

Kardinal Christoph Schönborn: „Es wurde Zeit, einmal etwas Radikales zu unternehmen. Österreich hinkt ja bekanntlich was den Gender-Pay-Gap betrifft, anderen Ländern leider weit hinterher. Ich habe mir sagen lassen, dass Frauen in Österreich bis zu 21,7 Prozent weniger Gehalt erhalten als ihre männlichen Kollegen. Das ist natürlich untragbar! Und ich bin froh, dass ausgerechnet die katholische Kirche einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass sich diese Schere hierzulande schon bald ein bisschen schließen wird.“

Die neue Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner zeigte sich über dieses ‚Einstandsgeschenk‘ der katholischen Kirche hocherfreut und begrüßte in einer ersten Reaktion die Ankündigung der Bischofskonferenz. Fügte aber gleichzeitig hinzu: „Wenn es um die Rechte der Frauen geht, haben wir oft schon schöne Worte gehört – allein die Taten wollten häufig nicht folgen! Wir werden daher die Umsetzung sehr genau beobachten und erst in zwei drei Jahren beurteilen können, ob dieses Vorhaben auch tatsächlich in der Praxis gelebt wird.“

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