Priestermangel: Kirche testet Seelsorger-Androiden ‚Sacerdos‘

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Seit vielen Jahren kämpft die römisch-katholische Kirche in Europa nun schon mit dem akuten Problem des Priestermangels. Immer wieder wurden Rufe laut, den Beruf doch endlich für Frauen zu öffnen oder das Zölibat aufzugeben, um dieser gravierenden Nachwuchssorge Herr zu werden. Doch beides war für den Klerus offenbar nicht mit Kirchenrecht vereinbar. Umso überraschender erscheint es, dass der Heilige Stuhl in Rom nun grünes Licht für einen Pilotversuch gegeben hat, in dem Priester-Androiden das Lesen der Heiligen Messe übernehmen sollen.


Monsignore Hermann Breitenreiter, CIO der Erzdiözese Salzburg und Leiter des Pilotversuchs, der im Erzbistum München und Freising sowie in der Diözese Salzburg durchgeführt werden soll, schildert im Gespräch mit der Entenpost, was die Kirche zum Einsatz des Seelsorge-Androiden ‚Sacerdos‘ bewogen hat: „Der Ablauf einer Messe ist eigentlich eine ziemlich repetitive Angelegenheit. Abgesehen von der Predigt und von ein paar tagesspezifischen Teilen wie der Lesung oder dem Evangelium folgt eine Messe einem ewig gleichbleibenden Handlungsstrang. Und ist somit geradezu ideal für einen Roboter wie unserem Sacerdos!“

Die variablen Teile können im Vorhinein zentral vom katholischen Rechenzentrum in München programmiert werden. Breitenreiter kommt regelrecht ins Schwärmen beim Aufzählen der Vorzüge des einem Engel nachempfundenen Sacerdos: „Länderspezifische Merkmale wie Sprache oder bayrischer Dialekt werden einmalig eingerichtet. Der Androide kann die Liturgischen Farben annehmen, im Advent also beispielsweise violett. Die Lieder aus dem Gotteslob sind alle eingespeichert, Sacerdos ist nicht nur ein Sprachtalent sondern auch ein echtes Gesangsgenie. Und sollte einmal kein Orgelspieler vor Ort sein, kann er diesen Part auch gleich übernehmen: Die in den Engelsflügeln integrierten Lautsprecher haben immerhin eine Spitzenleistung von 150 Watt!“

Als Riesenvorteil von Sacerdos könnte sich erweisen, dass Messen nicht nur ein oder zwei Mal am Tag stattfinden können, sondern praktisch im Stundentakt. Dazu Monsignore Breitenreiter: „Gerade Leuten, die am Sonntag mal ausschlafen möchten, sollte dies entgegenkommen.“ Und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Für Langschläfer gibt’s jedenfalls ab sofort keine Ausreden mehr!“

Bei den Kirchgängern kommen die Priester-Androiden großteils gut an. Vielen scheint es insbesondere leichter zu fallen, ihre Sünden einem nicht ganz so menschlichen Wesen zu beichten als einem Pfarrer aus Fleisch und Blut. Apropos Blut: Dass bei den Wandlungsworten von Sacerdos tatsächlich Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, dafür sorgt ein eigens im Vatikan konzipierter und geweihter Wandler-Chip im Androiden. Für Spezial-Messen mit komplexeren Interaktionen wie Taufen oder Hochzeiten sind vorerst allerdings weiterhin echte Priester erforderlich. Jene, die nach wie vor im Einsatz sind, müssen also zumindest derzeit noch nicht um ihre Jobs bangen.

Sollte das Experiment ein Erfolg werden, ist die Kirche auf alle Fälle voll und ganz im digitalen Zeitalter angekommen. Einen ersten Schritt in diese Richtung hatte sie ja unlängst bereits mit Gratis-WLAN in Kirchen gewagt. Und auch mit ihrer Ankündigung eines gleichen Lohns für Priester und Priesterinnen demonstrierte die Kirche zuletzt eindrucksvoll, dass sie weit weniger verzopft und konservativ ist, als so mancher bisher vielleicht gedacht hatte!

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