Porsche war gestern: SPÖ-Funk­tio­nä­re star­ten mit Ferrari neu durch

SPÖ-Neustart mit Ferrari statt Porsche
Bild-Quellen: Unsplash & Wikimedia Commons; Bildbearbeitung mit GIMP

Fragte man zuletzt jemanden, wofür eigentlich die SPÖ stehe, erntete man entweder ein Schulterzucken oder die Antwort ‚Porsche‘. Kein Wunder, galten die Kraftprotze aus Stuttgart unter SPÖ-Funktionären doch lange Zeit als Sinnbild für sozialdemokratische Werte. Doch das Ergebnis bei der Nationalratswahl hat gezeigt, dass Porsche bei den Wählerinnen und Wählern offenbar nicht mehr ausreichend zieht. Ein Neustart müsse her, hieß es unisono nach der Wahl. Die Richtung stimme zwar, so Partei-Chefin Pamela Rendi-Wagner, doch es brauche mehr Power, mehr Tempo – und vor allem mehr Rot!


Ex-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda fährt einen 911er. Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer einen Macan. Wer es in der SPÖ zu etwas gebracht hat, der zeigt dies auch gerne her: Einfache Funktionäre mittels Rolex, Spitzen-Funktionäre mit ihrem Porsche. Oder gar beidem.

Doch das Bild, das sozialdemokratische Porsche-Fahrer hinterlassen, scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein. Nicht einmal 22% der österreichischen Wählerinnen und Wähler schenkten bei der vergangenen Nationalratswahl der SPÖ ihr Vertrauen!

Beim Krisengipfel des SPÖ-Parteipräsidiums unmittelbar nach der Nationalratswahl war einer der Hauptgründe für das Debakel an den Urnen rasch gefunden. SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner: „Ein Politiker mit Porsche, das hat bei den Wählerinnen und Wählern unter Jörg Haider und Wolfgang Schüssel gezogen. Doch diese Zeiten sind definitiv vorbei, diese Erkenntnis haben wir in der SPÖ leider ein wenig verschlafen. Die Richtungs stimmt zwar, aber wir müssen an Tempo zulegen!“

Um wieder in die Poleposition zu gelangen, müsse man künftig mit noch mehr Speed, noch mehr Power und noch mehr PS angasen, so Rendi-Wagner. Geht es nach der Parteivorsitzenden, werde man zu Parteiveranstaltungen daher schon bald geschlossen per Ferrari und einheitlich in Rot vorfahren.

Thomas Drozda wollte den neuen Kurs der SPÖ samt Wechsel von Porsche zum italienischen Rennpferd offenbar nicht mittragen: „Der einfache Arbeiter liebt nun mal seinen Porsche. Bei einem Ferrari besteht meines Erachtens schon ein bisserl die Gefahr, dass uns der eine oder andere Genosse etwas Abgehobenheit vorwerfen könnte.“ Um seinen geliebten 911er behalten zu können, habe er seine Funktion als Bundesgeschäftsführer zurückgelegt und werde künftigt nur noch als einfacher Nationalratsabgeordneter tätig sein.

Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer hingegen kann es gar nicht erwarten, seinen lahmen Porsche Macan los zu werden: „Wir dürfen nicht nur vom Neustart reden, jetzt müssen rasch Taten folgen!“ Dieser Elan ist allerdings nicht weiter verwunderlich, hat die Partei in seinem Bundesland das Durchstarten doch bitter nötig: In Tirol schnitt die SPÖ mit etwas mehr als 13% und einem dicken Minus nämlich besonders schwach ab!