Einfacher und zum Null­tarif: ELGA wird durch Face­book ab­ge­löst

Bild-Quellen: Pixabay; Bildbearbeitung mit GIMP

Während die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in der Bevölkerung nicht gerade beliebt ist und viele Bürger sich vorwiegend wegen Datenschutzbedenken aus ELGA abgemeldet haben, ist das Vertrauen in das soziale Netzwerk Facebook hierzulande enorm. Wie eine Studie von Cambridge Analyitca ergeben hat, posten Herr und Frau Österreicher auf Facebook besonders häufig und gerne ihr gesundheitliches Befinden. Da die Gesundheitsdaten in Zukunft für Forschungszwecke freigegeben werden sollen und die dafür benötigten Schnittstellen in Facebook bereits vorhanden sind, möchte die türkis-blaue Regierung diese Synergien nutzen und das teure ELGA durch Facebook ablösen.


Fotos von frisch vergipsten Armen und Beinen. Ultraschallbilder vom erwarteten Nachwuchs. Hinweise auf die akute Pollenbelastung. All das bis hin zu Röntgenbildern in HD findet sich zu Hauf in den Newsfeeds der annähernd vier Millionen österreichischen Facebook-User. Von dieser Datenfülle können die Betreiber von ELGA nur träumen – entsprechend gering ist der Nutzen, der sich eigentlich aus der Vernetzung und Kommunikation von Gesundheitsdaten zwischen den Gesundheitsdiensteanbietern in ELGA ergeben hätte sollen.

FP-Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein: „Während man sich auf Facebook ganz einfach mit seinen Zugangsdaten anmeldet und in null-komma-nix seinen Laborbefund oder mittels Emoji eine Krankmeldung veröffentlicht hat, ist man bei ELGA wahrscheinlich noch immer mit der mühsamen Anmeldung per Handysignatur beschäftigt! Warum sich also ein kompliziertes und kostspieliges Parallelsystem leisten, wenn all das in Facebook wesentlich bequemer geht und die Daten und Funktionalitäten dort zudem schon längst vorhanden sind!? Und das zum absoluten Nulltarif!“

Die neue Datenschutzverordnung sieht vor, dass neben heimischen Universitäten in Hinkunft auch private Forschungsabteilungen der Industrie und Einzelpersonen im In- und Ausland Zugriff auf die Gesundheitsdaten der Österreicher bekommen sollen. Während hierfür in ELGA die Schnittstellen erst entwickelt und getestet werden müssten, ist die Möglichkeit der einfachen Datenweitergabe in Facebook bereits seit einiger Zeit Standard-Funktionalität und praxiserprobt.

Die Tage von ELGA dürften somit wohl gezählt sein. Und die Regierung kommt mit diesem Vorhaben einmal mehr ihrem Versprechen nach, nicht bei den Menschen sondern im System zu sparen.

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